Grabenkleien – Eine reine Männersache aus der Vergangenheit.

Von Dieter Günther
Sobald im Herbst die Felder abgeerntet waren, die Obstbäume an den Grabenkanten sich ihrer Blätter entledigt hatten, begann in der Marsch die schwere Arbeit des Grabenkleiens, eine Arbeit, die in den Elbmarschen überlebensnotwendig war.
Mit der Eindeichung wurde die Entwässerung der hinterm Deich liegenden Flächen notwendig, um sie landwirtschaftlich nutzen zu können.
Die Marsch war durch ein System parallel verlaufender Gräben, im Abstand von ca. 20 Meter durchzogen, die Gräben entleerten ihr Wasser in die Wettern, die wiederum durch ein Schöpfwerk in die Eibe oder in die Pinnau, je nach Bedarf entleert wurden.
Für die eigentliche Arbeit benötigte man, je nach Arbeitsgang, unterschiedliche Geräte, vorwiegend aber Schaufeln.
Die „Rabeitz“ zum Begradigen des Walles, Die Muttschaufel für die Kleierde, die Kleischüffel, auch „Mops“ genannt, für das Verteilen der ausgeworfenen Kleierde.

Das Grabenkleien war harte Männerarbeit

Das Grabenkleien war harte Männerarbeit

Verschieden Schaufeln für das Grabenkleien

Verschieden Schaufeln für das Grabenkleien

Schutz vor schlechter Witterung bot nur eine aufgestellte Schilfwand

Wichtig war auch die große (Wasser Schaufel), „Wörbschüffel“ mit einem Fassungs- vermögen von 10-12 Liter, um das Oberflächenwasser abzuschöpfen, um an die Kleierde zu gelangen, eine Motorpumpe gab es anfangs noch nicht..
Gummistiefel kannte man noch nicht, die Männer trugen im Graben Lederstiefel, die nach Feierabend eingefettet wurden, so blieben sie wasserdicht.
Für die durch Feuchtigkeit und Wind entstandenen Risse in den Händen war Melker- fett das beste Mittel.
Mit der Einführung der ersten Motorpumpe durch Johannes Kremer, Vater von Herrmann Kremer aus Altendeich, kehrte der Fortschritt ein, die Arbeit des Wasserschöpfens entfiel.
Zur Mittagspause oder Kaffeezeit blieb man auf dem Felde, Schutz vor schlechter Witterung bot nur eine aufgestellte Schilfwand.
Eine willkommene Abwechslung bei der schweren Arbeit war das Einsammeln der Fische sobald kein Wasser mehr im Graben war, und Fische gab es in den großen Gräben reichlich, Aale, Schleie, Hechte und Weißfische, das war unge-schriebenes Gesetz, gehörten den Männern im Kleigraben. Die Ehefrauen warteten oftmals auf die Heimkehr ihres Mannes, um mit einer Mahlzeit Fisch das Essen zu bereichern. Zudem war der Arbeitslohn ohnehin nicht gerade üppig, verglichen mit der Schwere der Arbeit.
Mit Einführung der Drainage, die Gräben wurde aufgefüllt, dadurch vergrößerte sich die Nutzfläche, erstmals konnten Mähdrescher eingesetzt werden. Das in den Tonröhren der Drainage gesammelte Wasser floss in den Vorfluter und von dort wieder mit Pumpen in Eibe und Pinnau.
Damit erübrigte sich auch das Grabenkleien, eine Tätigkeit, wie man sie sich heute kaum noch vorstellen kann. Die Männer wurden für andere Aufgaben frei, die Schaufeln und andere Geräte hatten ausgedient und verbringen heute als Anschauungsobjekte ihren Ruhestand im Haselauer Museum.
Auch ich stand im Alter von 16 Jahren zum ersten Mal in einem Kleigraben, musste mit den alten Hasen Schritthalten, die anfangs zum Teil blutigen Hände schmerzten: ich war oft dem Weinen nahe, war aber dankbar, wenn man mir half den steckengebliebenen Stiefel aus dem Schlick zu ziehen. Es war eine verdammt harte Arbeit.

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