Wassersport – Club Haseldorf e.V. “ Big Foot”

Was ist das für ein merkwürdiges Boot? – mag sich mancher Besucher des Haseldorfer Hafens schon gedacht haben, wenn er nahe der Slipanlage einen Blick hinunter warf, wo an der Spundwand ein altes blaugraues Gefährt vertäut liegt. Die Mitglieder des Wassersportclubs Haseldorf wissen dagegen ganz genau, welch einen „Schatz“ sie dort ihr eigen nennen. Ohne dieses treue Arbeitsboot, den Entschlickungsschlepper „Big Foot“ könnten sie ihrem Freizeitvergnügen von diesem Hafen aus schon lange nicht mehr nachgehen.
Durch die Vertiefung des Elbfahrwassers verschlicken die Nebenarme der Elbe – so auch die Zufahrt zum Haseldorfer Hafen und das Hafengebiet selbst – ohne Eingriff des Menschen in kürzester Zeit. Bei Niedrigwasser kann sich jeder Besucher ein Bild davon machen und staunen, welche „Berge“ sich in Sichtweite des Parkplatzes auftürmen. Und auch bei auf- oder ablaufendem Wasser wurden diese Sedimentansammlungen schon manchem Skipper, der die Austonnung durch die Pricken nicht so ernst nahm, zum Verhängnis.
Mit viel Aufwand und verschiedenen Methoden musste daher schon lange ganz regelmäßig und unter penibler Beachtung von Umweltauflagen der Hafen freigehalten werden.

“Big Foot” bei der Arbeit, dem Entschlicken.

“Big Foot” bei der Arbeit, dem Entschlicken.

Da war es ein Glücksgriff, als der Verein im Jahr 2001 aus Bundeswehrbeständen ein Pionier-Brückenverlegerboot erwerben konnte. Mit seinen 250 PS und einem riesigen Propeller wurde es zum idealen Entschlickungsschlepper. Doch zunächst standen vielfältige Umbaumaßnahmen an.
Im Vorbau des Schleppers wurden massive Verstrebungen eingebaut, um die Schubkräfte gleichmäßig in den Rumpf zu leiten. Im Heckbereich musste der Propeller in einen Schutzkasten „verpackt“ werden, der ihn vor Steinen schützt. Und am Bug wurde ein hydraulisch verstellbares Gerüst verbaut; je nach Anforderung lässt sich dort Luft oder Wasser einblasen. Um auch im Dunkeln arbeiten zu können, wurde in den letzten Jahren noch eine umfangreiche LED-Scheinwerferausrüstung installiert.
Die Arbeitsweise des Bootes kann man mit der eines Kleinkindes vergleichen, das am Strand Wasser und Sand in seinem Eimerchen verrührt und dann beides zusammen auskippt. Jeweils zwei Stunden nach Hochwasser beginnt der Schlepper zu „rühren“ Und der Ebbstrom nimmt Wasser und Schlick mit. Auf diesem Wege gelangen jedes Jahr Unmengen von Sedimenten in die Elbe zurück, im Frühjahr ca. 6000 m2 (10500 t) und im Sommer ca. 2500 m2 (4400 t).
Es gibt sechs Schiffsführer im Wassersportclub, die den Schlepper fahren dürfen – und können! Denn das Manövrieren mit diesem Fahrzeug ist recht schwierig und braucht Erfahrung. Eine weitere „Crew“, die teilweise auch aus den Schiffsführern besteht, repariert regelmäßig im Winterhalbjahr den Schlepper.
In diesem Jahr wurde es nun nötig, die „alte Dame“ grundüberholen zulassen. Auf dem Wasserwege gelangte die „Big Foot“ zur Wrede-Werft in Wedel. In der Halle wurde dort das komplette Unterwasserschiff im Sand-Strahlverfahren bearbeitet, dabei festgestellte Schäden geschweißt und dann alles mit einer „elbschlickgrauen“ Unterwasserbeschichtung versehen.
Nach eingehender Begutachtung trat der Schlepper die Heimfahrt über die Elbe an.
Nun liegt die „Big Foot“ wieder voll einsatzbereit an ihrem Stammplatz im Haseldorfer Hafen.

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